Das Gesetz der Polarität

 

"Alles hat zwei Pole.

Gegensätze sind identisch in der Natur,

nur verschieden im Grad."

Kybalion

 

Alle in Erscheinung tretenden Dinge haben zwei Seiten, zwei Aspekte, zwei Pole. Alle Gegensätze sind zwei Pole der gleichen Sache. Das bedeutet, jedes Paar der Gegensätze ist identisch in seiner Natur. Auf der einen Seite ist das eine Extrem und auf der anderen Seite das gegensätzliche Extrem. Zwischen beiden Extremen befinden sich unzähligen Grade der gleichen Sache. Jeder Aspekt kann nur erfahren werden, weil es auch den gegensätzlichen gibt.

 

Hitze kann nur erfahren werden, wenn es Kälte gibt, Weiblichkeit kann es nur geben, wenn es Männlichkeit gibt. Ohne Dunkelheit, gibt es kein Licht. Und ohne Licht keine Dunkelheit. Das eine braucht immer auch das andere, um überhaupt von uns wahrgenommen werden zu können. Ohne Leid, kann Freude nicht erfahren werden. Ohne Krankheit wird uns nicht bewusst, wie es ist, gesund zu sein. Ohne Krieg gibt es keinen Frieden. Das bedeutet, ein wichtiger Schritt, um Dir ein glückliches und erfülltes Leben zu erschaffen, ist die Akzeptanz dieses universellen Gesetzes. Es ist nötig die Welt und das Leben in seiner Gesamtheit, mit allen Licht- und Schattenanteilen, zu akzeptieren.

 

„Jeder menschliche Gedanke und jede menschliche Handlung gründet sich auf tiefster Ebene auf zwei Emotionen: auf Angst oder auf Liebe. Alle anderen Motivationen leiten sich aus diesen beiden Emotionen ab. In Wahrheit gibt es nur zwei Emotionen. Nur zwei Worte in der Sprache der Seele. Dies sind die beiden gegensätzlichen Pole der großen Polarität, die zusammen mit dem Universum und der Welt erschaffen wurden.“ (Neal Donald Walsch)

 

Die Welt ist wie sie ist. Es ist unsere Bewertung, die sie zu etwas Gutem oder Bösem macht. 

 

Wir können die Welt, das Leben und die anderen Menschen nur zu etwas Gutem oder Schlechtem machen, weil wir in der Lage sind, Dinge zu bewerten. Unsere Bewertung der Dinge, lässt uns entweder gut fühlen, oder in uns einen Widerstand entstehen. Diesen Widerstand spüren wir in allem, was wir als etwas einstufen, dem wir nicht zustimmen. Wir wehren uns (unbewusst) innerlich gegen die Dinge, die wir als schlecht erachten. Doch diese innere Abwehr ist wie eine Blockade, die uns davon abhält, uns innerlich frei und somit erfüllt zu fühlen. Diesen Widerstand haben wir nicht nur gegenüber der Welt, den anderen Menschen und dem Leben, sondern vor allem auch gegenüber uns selbst. 

 

Denn auch wir selbst bestehen aus beiden Polen. Wir sind nicht nur Licht. Wir sind auch ganz viel Schatten. Wir sind nicht nur Freude, wir sind auch Traurigkeit. Wir sind nicht nur Frieden, wir sind auch Wut. All unsere Gefühle haben ihre Daseinsberechtigung und wir können uns erst frei fühlen, wenn wir uns vollständig annehmen können, wie wir als Menschen sind. Denn wir sind nun einmal keine Engel. Wir sind Menschen und hier auf dieser Erde, um als spirituelle Wesen eine menschliche Erfahrung zu machen.

  

Ich glaube, die Voraussetzung dafür, sich einen glücklichen und erfüllten Zustand zu erschaffen, ist die Akzeptanz davon, dass es auch die andere Seite gibt. Nämlich z.B. Unglück und Armut. Denn nur in der Kombination von Beidem kann die Welt erschaffen werden. Ich glaube, solange wir uns innerlich gegen eine Seite wehren, können wir auch den Gegenpol nicht wirklich erfahren, weil sich das, wogegen wir uns wehren, immer verstärkt. Das, wogegen ich mich wehre, wird durch meine eigene Abwehr, verstärkt, weil ich mit meiner Abwehr meine Energie genau dahin fließen lasse. Meiner Meinung nach, steht hinter diesem Erleben sogar die tiefere Aufgabe unseres Lebens. Solange ich mich gegen die eine Seite wehre, lehne ich damit das Leben ab. Denn das Leben besteht immer aus beiden Polen. Nur die eine Seite, z.B. nur die Liebe, ist nicht das Leben. Nur die Liebe ist die Auflösung des Lebens. Denn, wenn es nur noch die Liebe gibt, gibt es nicht mehr die beiden Pole, die die Welt vollständig machen. Solange ich einen Pol ablehne, habe ich damit im Grunde genommen einen unbewussten Widerstand gegenüber dem Leben. Und wenn ich unbewusst das Leben ablehne, kann ich in dem Leben logischerweise auch nicht erfüllt und glücklich werden.

 

Um Dir Deinen Wunschzustand zu erschaffen, ist es nun nötig, im ersten Schritt Deine Schattenseiten ebenso anzunehmen, wie Deine Lichtseiten. Denn sie sind ein Teil von Dir. Auch, wenn wir die eine Seite am Liebsten überhaupt nicht spüren möchten, brauchen wir sie doch, um das Leben zu erfahren. Diese Erkenntnis hilft mir, die Welt, wie sie ist, besser zu verstehen. Und vor allem gibt mir diese Einsicht Hoffnung. Denn ich weiß auch in Zeiten, in denen ich traurig bin: Die Freude ist niemals weg. Sie ist immer in mir und wartet schon auf mich. Denn wo das eine ist, ist immer auch das andere. Anders ist es überhaupt nicht möglich. Egal, wie dunkel es auch ist, das Gesetz der Polarität beweist, dass das Licht immer da ist. Es war und ist niemals weg. Denn es gibt von allem immer auch die andere Seite.  

 

Akzeptanz bedeutet nicht Zustimmung. Akzeptanz bedeutet, beide Seiten anzunehmen und selbstverantwortlich zu wählen, welche Seite man leben möchte.

 

Deshalb ist es im zweiten Schritt so wichtig, Dich ganz bewusst dafür zu entscheiden, in welche Richtung Du laufen möchtest. Nehmen wir das Beispiel Traurigkeit und Freude. Traurigkeit und Freude sind zwei Aspekte der selben Sache. Auf der einen Seite der Linie ist Traurigkeit, auf der anderen Seite der Linie ist Freude. Beides ist immer da und existiert auch schon in Dir. Du bist niemals nur traurig oder nur freudvoll. Du bist immer beides. Bildlich gesehen ist nun alles, was Du zu tun hast, auf der Linie in die Richtung zu laufen, die Du leben möchtest. Das heißt, es geht jetzt darum, Deine Aufmerksamkeit, Deinen Fokus, Deine Gedanken und Gefühle darauf zu richten, was Du leben möchtest und gedanklich und gefühlsmäßig weg von dem zu kommen, was Du nicht mehr leben möchtest. Das bedeutet nicht, die Traurigkeit überhaupt nicht mehr zuzulassen. Das bedeutet, in der Traurigkeit nicht zu versumpfen, sondern uns nach einer bestimmten Zeit wieder selbstverantwortlich auf den Weg dahin zu machen, was wir in unserem Leben fühlen möchten. Es liegt an uns selbst, wie lange wir in einem Gefühl verweilen möchten.

 

„Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogelschwarm über Deinen Kopf hinwegfliegt. Aber Du kannst verhindern, dass er in Deinen Haaren nistet.“ (Martin Luther)


Coachingübung 1: Fragen zu Deinen Lichtanteilen

Lichtanteile sind die Anteile, mit denen wir uns gerne identifizieren, die wir an uns mögen, die wir an uns wertschätzen. So mögen wir sein. Mit unseren Lichtanteilen haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir, wenn wir so sind, gemocht oder geliebt werden. In uns ist eingespeichert, wenn ich so bin, dann werde ich angenommen, dann gehöre ich dazu. 

  • Was magst Du an Dir? Wie bist Du am Liebsten?
  • Wie möchtest Du, dass andere Dich sehen?
  • Welches sind Deine Lieblings-Eigenschaften?
  • Mit welchen Eigenschaften fühlst Du Dich wohl?
Bitte nimm Dir Zeit und beantworte die Fragen schriftlich. 

Coachingübung 2: Fragen zu Deinen Schattenanteile

Unsere Schattenanteile sind verdrängte Eigenschaften von uns, die wir aufgrund negativer Erfahrungen und/oder unseren Schlussfolgerungen dazu, nicht ausleben können. 

 

Schattenanteile sind die Anteile, die wir an uns ablehnen. So mögen wir nicht sein. Das sind die Anteile, die wir zwar haben, aber verdrängen, weil deren Ausleben einmal negative Konsequenzen für uns hatte. Mit unseren Schattenanteilen haben wir irgendwann einmal die Erfahrung gemacht, dass es, wenn wir so sind, nicht gut ist. In uns ist eingespeichert, wenn ich so bin, dann lehnen mich die anderen ab, dann werde ich kritisiert, negativ bewertet, ausgeschlossen, bestraft oder auch ganz wichtig, wenn ich so bin, dann verletze ich andere damit. Unsere Schattenanteile können auch eigentlich positive Eigenschaften sein. Wir wurden z.B. dafür kritisiert, wenn wir zu euphorisch und begeistert waren und haben dann eventuell diesen Anteil in uns verdrängt. Wenn wir mit unseren Schattenanteilen konfrontiert werden, dann kommen meistens Gefühle der Scham, Schuld, des Abscheus oder auch der Angst und Wut in uns hoch. 

  • Was lehnst Du an Dir ab?

  • Was unterdrückst Du lieber?

  • Wofür schämst Du Dich?

  • Wofür hast Du Angst abgelehnt zu werden?

  • Wie darfst Du nicht sein? (z.B. faul, laut, unordentlich, traurig, zu begeistert)

  • Oder was muss Du sein? (z.B. "Ich muss lieb und brav sein, sonst werde ich nicht geliebt." - Dann ist das Gegenteil davon der Schatten.)

  • Was lehnst Du an anderen ab? Was nervt Dich an anderen?
  • Was kannst Du tun, um auch diese Anteile in Dir liebevoll anzunehmen?

Bitte nimm Dir Zeit und beantworte die Fragen schriftlich.

 

Unsere eigenen Schattenanteile sind auch häufig die Anteile, die wir extrem an anderen ablehnen. Wenn Dich bei anderen etwas zur Weißglut bringt, dann ist das ein gutes Zeichen dafür, dass Dir die andere Person Deinen Schatten spiegelt. Also, wenn Du z.B. jemanden dafür ablehnst, immer so auffällig zu sein, dann hast Du als Kind wahrscheinlich erfahren, dass es nicht gut ist, auffällig zu sein. Oder, wenn Du auf irgendetwas neidisch bist, dann will Dir das Gefühl des Neides eigentlich nur zeigen, dass Du das, worauf Du neidisch bist, selbst noch nicht lebst. Hättest Du es selbst nicht in Dir, dann würdest Du es erstens, beim anderen überhaupt nicht wahrnehmen und zweitens, hättest Du dann auch kein Neidgefühl.

 

Wenn Dich etwas an anderen extrem stört, dann verschaffen Dir diese Fragen mehr Klarheit: 

  • Warum genau stört Dich das eigentlich so?

  • Was ist so schlimm daran?

  • Was genau stört Dich?

  • Was könnte das mit Dir zu tun haben?

Ein Schattenanteil dient immer dazu, etwas in Dir aufzulösen, dass Dich noch davon abhält, voll und ganz frei zu sein und Dich in Deiner Gesamtheit zu leben.


Coachingübung 3: Fragen zur Auflösung von Schattenanteilen

Um sich selbst in seiner Gesamtheit akzeptieren zu können, ist es nötig die Licht- und Schattenanteile anzunehmen und nicht getrennt von einander zu betrachten, sondern als Einheit.

 

Fragen zur Auflösung der Schattenanteile:

  • Was will Dir der Anteil zeigen?

  • Was ist in Dir noch nicht aufgelöst, was blockiert Dich noch, um völlig frei zu sein?

  • Wo bist Du noch verletzt? Was darf noch in Dir heilen? 


Wie kannst Du Deine Schattenanteile integrieren und leben?

Die meisten Menschen haben mit ihren Schattenanteilen nur deshalb so große Probleme, weil sie sich dafür schämen und weil sie nicht wissen, wie sie diese Anteile in ihrem Leben integrieren sollen.

 

Schattenanteile zu leben, bedeutet natürlich nicht Amok zu laufen, weil man damit dann all seine Wut und Aggressionen ausleben kann. Schattenanteile zu leben, bedeutet über bewusstes Leben, Achtsamkeit und die Wahrnehmung der eigenen Gefühle, Licht (Erkenntnis) darauf zu bringen und sie somit aufzulösen. Dies tust Du, indem Du Dir immer wieder die Fragen stellst:

  • Warum fühle ich mich jetzt so?

  • Was hat das mit mir zu tun?

Einen Schattenanteil integriert man dann in sein Leben, wenn man lernt, alle Gefühle zuzulassen. Damit verschwindet auch der enorme Druck in uns. Der Druck und Kampf ist nur deshalb so groß in uns, weil wir die Gefühle, die wir ablehnen, über Jahre verdrängt haben. Wir müssen die Gefühle zulassen und abfließen lassen, um frei zu werden.

 

Wenn Du an Deinen Emotionen leidest, wird das Leben zum Kampf. Diesen Kampf kannst Du nur gewinnen, indem Du aufhörst zu kämpfen und mit Deinen Emotionen Frieden schließt.

 

Einen Schattenanteil richtig anzunehmen bedeutet, die Energie, die kommt, nicht wegzudrücken, sondern sinnvoll zu nutzen und einzusetzen. Wenn z.B. die Aggressivität in uns hochkommt, dann sollten wir uns von der Situation zurückziehen und nicht angreifen. Wenn wir uns zurückgezogen haben, sollten wir das Gefühl über unseren Körper wahrnehmen und ausdrücken, ohne jemanden zu schaden. Das kann z.B. sein, dass Du, wenn es sich um Aggressionen handelt, in ein Kissen schlägst. Wenn Du viel Aggression in Dir trägst, kann es sinnvoll sein, z.B. Kampfsport zu betreiben, um hier regelmäßig Dampf abzulassen.

 

Ich persönlich nutze Wut zum Beispiel für mich, indem ich, wenn ich wütend bin und gerade zu Hause bin, meinen Haushalt mache. Wenn ich in der Wutenergie putze, bin ich fünf schneller, als ohne Wut. Emotionen sind Energie in Bewegung und zu lernen diese Energie für sich zu nutzen, kann richtig Spaß machen, gerade bei den Gefühlen, die sich normalerweise nicht gut anfühlen, wie z.B. Wut, Hass oder Eifersucht. Das sind alles sehr energiereiche Emotionen. Für ein friedliches Miteinander ist es wichtig, gerade diese Energien konstruktiv für sich zu nutzen und nicht gegen andere zu richten und damit alles nur noch schlimmer zu machen, oder sie zu verdrängen, was uns, wie schon erläutert, selbst am meisten schadet.


Aufgabe: Selbstannahme

Nur wenn wir alle Anteile in uns akzeptieren und nach und nach in unser Leben integrieren, können wir ein freies und erfülltes Leben führen. Beobachte in Deinem Alltag, was genau Du an Dir ablehnst und wann Du Dich innerlich selbst sabotierst. 

 

Arbeite in diesen Momenten gezielt mit der Affirmation:

 

Ich liebe und akzeptiere mich mit allen meinen Licht- und Schattenanteilen.


Inspiration

Podcastfolge: Licht und Schattenanteile des Menschen

Podcastfolge: Lehnst Du es ab, Mensch zu sein?



 

Glücksbotschaft

 

"Du entscheidest selbst, in welche Richtung Du laufen möchtest."

 

Traurigkeit und Freude sind zwei Aspekte der gleichen Sache. Stelle Dir eine Linie vor. Am einen Ende der Linie steht die Traurigkeit, am anderen Ende der Linie steht die pure Freude. Diese Linie ist Dein Weg. Du läufst auf diesem Weg entweder in die eine oder in die andere Richtung. Dein Denken, Dein Fühlen, Deine Entscheidungen und Handlungen bestimmen in welche Richtung Du läufst. DU selbst entscheidest, in welche Richtung es geht. Niemand sonst.

 

Es steht in Deiner Macht heute die Entscheidung zu treffen der puren Freude entgegenzulaufen. 

 

Deine Andrea


Meditation zur Vertiefung

Podcasfolge: Meditation für die Akzeptanz der Welt, wie sie ist und für die Befreiung von altem Leid und Schmerz


Affirmation als Handyhintergrund