Achtsamkeit

 

 

Im gegenwärtigen Augenblick kannst Du keine negativen Gefühle erleben. Diese entstehen nur aus Gedanken an Deine Vergangenheit. Im Jetzt bist Du immer in Frieden.“

 Andrea Hein

 

Ist Dir schon ein bisschen aufgefallen, wie viel Du eigentlich den ganzen Tag über denkst? Laut zahlreichen Studien denken wir Menschen ungefähr 60.000 Gedanken an einem Tag. Nun stelle Dir einmal vor, Du lässt ab heute alle destruktiven und negativen Gedanken weg. Was bleibt denn dann eigentlich übrig? Es wird nämlich ziemlich leer, oder? Fühlt sich irgendwie befreiend an, nicht wahr?

 

Jeder von uns steckt in einem Hamsterrad seiner eigenen Gewohnheiten, seinem Denken, Fühlen und Handeln fest. Häufig sind dies Gedanken, die sich um Sorgen und Probleme drehen und dementsprechende Gefühle, die nicht unserem Wohl dienen. Fast alle unsere Gedanken und Gefühle sind entweder in die Vergangenheit oder in die Zukunft gerichtet und enthalten unsere eigenen Interpretationen und Bewertungen. 

  

Wie viele Menschen leben die ganze Zeit in der Vergangenheit oder in der Zukunft? Meistens sogar in einer negativen Vergangenheit, in der Dinge bereut werden, in der man sich für irgendetwas schuldig fühlt, in der man alten Gelegenheiten hinterher trauert und in einer Zukunft, die in der Ferne irgendwo auf einen wartet, in der man hofft, dass einmal irgendetwas passiert im Leben, in der man hofft, dass sich das Leben irgendwann einmal verändert, in der man ausharrt, bis doch irgendwann einmal der Moment kommt, indem es mir gut geht. Doch damit erreiche ich niemals den Zustand, indem es mir gut geht. Der Zustand, in dem es mir gut geht, ist genau jetzt. Keine Sekunde früher und keine Sekunde später. Und diesen Zustand zu erreichen, trainiere ich mit Achtsamkeit.

 

Die meisten Menschen haben die Fähigkeit verloren, sich neugierig, staunend und wertfrei in das momentane Erleben zu vertiefen. Ein Grundschulkind kann für einen fünfminütigen Weg von der Schule nach Hause eine halbe Stunde benötigen, weil es bei jeder Blume, bei jedem Käfer gedankenverloren stehen bleibt, die Zeit vergisst und ganz in den gegenwärtigen Moment versinkt. Diese Fokussierung auf den gegenwärtigen Moment, meine ich mit Achtsamkeit. 

 

Achtsam sein, bedeutet, ganz im jeweiligen Augenblick bei der derzeitigen Sache zu sein. Mit all Deinen Sinnen. Es ist das momentane Erleben im Hier und Jetzt. Achtsamkeit ist zwar einerseits vollkommen wertfrei und absichtslos, andererseits ist es aber auch eine aktive, freundliche, neugierige und selbst gesteuerte Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. Dein Geist ist klar und offen und nicht auf irgendwelche Urteile, Vergleiche, Sehnsüchte, vergangenen Erlebnisse oder zukünftigen Pläne gerichtet.

 

Im Prinzip kannst Du bei allen Aufgaben Deines täglichen Alltags achtsam, oder eben auch nicht achtsam sein. Nicht achtsam zu sein, bedeutet, dass Du alles nur nebenbei machst und mit Deinem Kopf immer ganz woanders bist.


Aufgabe 1: Trainiere Deine Achtsamkeit

Nehmen wir als Beispiel das Wäscheaufhängen. Was machst Du, während Du Deine Wäsche aufhängst? Denkst Du darüber nach, was Du als nächstes tun wirst? Oder grübelst Du über Dinge nach, die Dir vor Kurzem passiert sind? Um Deine Achtsamkeit zu trainieren, siehst, fühlst und riechst Du die Wäsche, die Du aufhängst. Wie sieht das Stück Stoff aus, dass Du gerade in Deinen Händen hältst? Welche Farben hat es? Wie fühlt sich der Stoff an, den Deine Hände berühren? Warm oder kalt? Wie duftet die frische Wäsche? Dieses kleine Training, kannst Du mit allen Dingen machen, die Du täglich tust. Bei Deiner Morgen- und Abendroutine im Bad, beim Zähneputzen: Wie schmeckt die Zahnpasta, wie fühlt es sich an, wenn die Bürste über Deine Zähne reibt? Wie riecht das Mundwasser? Beim Duschen: wie fühlt es sich an, wenn das Wasser über Deine Haut läuft? Wie fühlt sich der Schaum auf Deiner Haut an? Wie duftet Dein Duschgel? Beim Anziehen: Wie fühlt es sich an, wenn Du den Stoff über Deinen Körper streifst? Welche Farben und Formen hat Deine Kleidung? Beim Kochen kann man zum Beispiel auch wunderbar bei den einzelnen Arbeitsschritten mit allen Sinnen bei der Sache sein. Beim Essen, beim Putzen, beim Aufräumen, beim Sport, etc. etc. Konzentriere Dich einfach immer ganz genau auf die Dinge, die Du gerade tust.

 

Wenn Du einfach nur sitzt oder stehst und auf irgendetwas wartest, dann verzichte einmal darauf sofort zum Handy zu greifen, sondern mache stattdessen eine kleine Achtsamkeitsübung. Während Du wartest, kannst du Dich zum Beispiel wunderbar auf Deinen Körper konzentrieren. Wie fühlen sich Deine einzelnen Körperteile an? Wie fühlt es sich in Deinem Bauch, in Deiner Brust oder in Deinem Hals an? Bist Du irgendwo angespannt? Kannst Du Deinen Herzschlag spüren? Wie atmest Du? Achtsam Dir gegenüber zu sein, wird Deine Körperwahrnehmung und Deine Atmung verändern. Denn, wenn Dir auffällt, dass Du flach atmest, kannst Du bewusst tief atmen. Wenn wir in Gedanken sind, bemerken wir oft überhaupt nicht, wie wir eigentlich atmen. 

 

Wenn während Deiner Achtsamkeitspraxis Gedanken kommen, dann nimmst Du einfach nur wahr, dass welche hier sind und konzentrierst Dich anschließend wieder ganz auf Deinen Atem und die Sache, die Du gerade tust. Verurteile Dich nicht für Deine Gedanken und ärgere Dich auch nicht über sie. Nimm sie einfach nur wahr und lasse sie wieder los. Das ist wie Meditation. Anfangs werden die Gedanken ständig versuchen sich zwischen Deine achtsamen Handlungen zu drängeln, aber je öfter Du Achtsamkeit trainierst, desto ruhiger wird Dein Geist werden. Achtsamkeit ist genauso erlernbar, wie eine Sportart und das Gelingen ist reine Trainingssache. Je öfter Du Achtsamkeit praktizierst, desto normaler wird es für Dich sein, im derzeitigen Augenblick zu leben und das ist so unendlich wertvoll. Denn gerade Menschen, die sich nicht wohl fühlen, die gestresst sind oder seelische Probleme haben, vernachlässigen es meistens, achtsam mit sich selbst und ihrem Tun zu sein, sind leicht ablenkbar und kommen selten, wenn nicht sogar nie, zur Ruhe. Mit Achtsamkeit wirst Du langfristig immer mehr innere Ruhe und Stabilität aufbauen.


Aufgabe 2:  Der achtsame Spaziergang

Denkst Du jeden Tag an Deinen Spaziergang? Gehe über die nächsten Wochen immer mal wieder auf die folgende Weise spazieren:

 

Du genießt Deinen Sparziergang mit allen Deinen Sinnen. Nimm Dir für jeden Deiner Sinne etwa fünf bis zehn Minuten Zeit. Konzentriere Dich zuerst auf das, was Du siehst, während Du gehst. Die Farben, die Formen, die Gegenstände, die Menschen, etc. Danach konzentrierst Du Dich auf alle Geräusche. Vielleicht Vogelgezwitscher, vielleicht ein Wasserrauschen, vielleicht Deine eigenen Schritte auf dem Weg? Anschließend konzentrierst Du Dich auf die Gerüche um Dich herum. Wie riecht die Luft? Wie riecht das Laub? Und schließlich fühlst Du in Deinen Körper, während Du gehst. Wie fühlt es sich an, wenn Du gehst? Fühle in Deine Beine, wie sie sich bewegen. Fühle in Deine Arme, wie sie an Deiner Seite auf und ab wippen. Wie fühlt es sich an, wenn Du atmest? Wie fühlt sich die Luft auf Deinem Gesicht an? Wenn Gedanken während des Spaziergangs kommen, nimm sie wahr, aber halte daran fest, sondern lasse sie wie Wolken vorbeiziehen. Konzentriere Dich immer wieder auf Deine Sinne. Auf diese Art spazieren zu gehen, wird Dir dabei helfen, Dich immer bewusster mit Dir selbst zu verbinden und gleichzeitig die Dinge achtsamer wahrzunehmen. 

 

Bitte verzichte auf Deinem täglichen Spaziergang auf Dein Handy oder Musik und sei in dieser halben Stunde einfach nur mit Dir.


Affirmation als Handyhintergrund


Zusammenfassung:

  • Im gegenwärtigen Augenblick ist man immer in Frieden.
  • Achtsamkeit verändert Deine Wahrnehmung und beruhigt Deinen Geist.
  • Achtsamkeit hilft Dir dabei innere Ruhe und Stabilität aufzubauen.