Das Gehirn

 

 Jede emotionale Kommunikation mit anderen und vor allem jede gedankliche Kommunikation mit uns selbst, kann die Struktur der vernetzten Neuronen verändern.“

 Eric Kandel

 

Jetzt wird es ein bisschen wissenschaftlich. Und zwar geht es um das wohl faszinierendste Organ in unserem Körper: unser Gehirn. Im menschlichen Gehirn befinden sich etwa 100 bis 150 Milliarden Neuronen, die miteinander vernetzt sind. Das kann man sich ungefähr vorstellen, wie ein unendlich großes Straßennetz, bestehend aus Autobahnen, Landstraßen, Nebenstraßen, Kreuzungen und Verbindungen. Damit kleinste Handlungen oder Emotionen möglich werden, müssen Milliarden von Nervenzellen im Gehirn zusammenarbeiten und miteinander kommunizieren. In Sekundenbruchteilen schießen Milliarden von elektrischen Impulsen durch das neuronale Netzwerk und übertragen ihre Informationen, um uns das Denken, Fühlen, Handeln und Atmen zu ermöglichen.

 

Inzwischen weiß man, dass das menschliche Gehirn die Fähigkeit besitzt, sich zu verändern. Das neuronale Netzwerk ist wie eine Landkarte der Lernerfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen. Wenn wir neue Erfahrungen machen und Neues lernen wird das Straßennetzwerk ausgebaut. Neue Verbindungen entstehen. Und je öfter wir eine bestimmte Erfahrung machen, desto stabiler wird die neue Straße, also die synaptische Verbindung zwischen den Nervenzellen, die diese Erfahrung repräsentiert. Diese Anpassungsfähigkeit des Gehirns bezeichnet man Neuro- oder Hirnplastizität.

  

Bei einem festgefahrenen Zustand, der uns vielleicht schon längere Zeit unglücklich macht oder auch bei einer depressiven Phase haben die Nervenzellen untereinander ihre Vernetzung reduziert, weil es jeden Tag gleich grau und hoffnungslos ist. Die Straßenbauer des Gehirns streiken sozusagen, weil sie außer für die tägliche, immer gleiche negative Gedankenspirale, ja nicht mehr benötigt werden. Wir befinden uns in einer Sackgasse. Wenn nun aber neue, lebensbejahende Gedanken und Gefühle dazukommen, dann legen die Bauarbeiter wieder los und es werden sogenannte Nervenwachstumsfaktoren ausgeschüttet. Im Körper werden bestimmte Prozesse wieder aktiviert, die durch die Negativität fast abgeschaltet waren. Es kommt zu einer Neu- oder Wiedervernetzung im Gehirn. Das Gehirn ist sozusagen wieder voll da und plötzlich ist etwas möglich, was vorher undenkbar war. Die Sackgasse wird dann zu einer neuen, weiterführenden Straße ausgebaut: Deinem Weg in ein neues Leben.

  

Das bedeutet, Du kannst Dein neuronales Netzwerk eigenständig mit guten Gedanken und Gefühlen verändern und somit Dein momentanes graues Leben in ein neues wundervolles und freudvolles Leben verwandeln. Ist das nicht unglaublich?

  

Du bist zu so viel mehr fähig, als Du denkst! 


Aufgabe 1:  Beobachte Dich noch ein bisschen genauer

Lerne langsam, Dir immer mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Beobachte nicht mehr nur Deine Gedanken und Gefühle, sondern auch Deine körperlichen Reaktionen (Atem, Anspannungen) und Dein Verhalten.

 

Stelle Dir vor, in Dir gibt es einen Teil, der von der alltäglichen Hektik, den Gedanken, den negativen Gefühlen und Urteilen vollkommen unberührt ist. Dieser Teil in Dir steht über den Dingen und betrachtet alles ruhig, gelassen und mit einem liebevollen und distanzierten Blick. Er beobachtet Deine Gedanken und Gefühle vollkommen wertfrei. Er muss sich weder aufregen noch kritisieren. Kannst Du diesen Teil in Dir bereits wahrnehmen? Genau diesen Anteil in Dir wollen wir die nächsten Wochen immer mehr beleben.


Aufgabe 2: Lerne, bewusst zu atmen

Atem ist Leben. Du erwachst mit Deinem ersten Atemzug zum Leben und stirbst, wenn Du das letzte mal ausatmest. Dein Atem ist das Bindeglied zwischen Deinem Körper und Deinem Geist. Er lässt Dich im Jetzt sein. Mit jedem Atemzug fließt Sauerstoff in Deine Lungen und die verbrauchte Energie wird wieder abgegeben. Bewusstes atmen verändert Deinen Bewusstseinszustand. Deshalb ist so wertvoll, Dir Deines Atems bewusst zu werden und ihn positiv für sich zu nutzen.

 

Durch einen einfachen Test kannst Du überprüfen, ob Du richtig atmest. Stelle Dich gerade hin. Lege Deine flache Hand auf Deinen Bauch und atme ein. Wölbt sich Dein Bauch bei der Einatmung nach vorne? Dann atmest Du richtig. Verändert sich Dein Bauch nicht, oder zieht er sich sogar nach innen? Dann atmest Du falsch.

 

Mache bitte über die nächsten Wochen tagsüber zwischendurch immer mal wieder eine kleine Pause, bei der Du Dich nur auf Dich und Deine Atmung konzentrierst. Egal, ob Du am Schreibtisch sitzt oder Deine Wohnung aufräumst. Dafür benötigst Du nicht viel Zeit. Halte einfach kurz inne, bei dem, was Du gerade tust und werde Dir Deiner selbst und Deines Atems bewusst. Atme tief ein und aus und spüre, wie es sich anfühlt, wenn Dein Atem fließt. Versuche dies einfach ein paar Atemzüge lang. Um das Ganze nicht zu vergessen, machst Du Dir am Besten kleine Gedankenstützen. Stelle Dir zum Beispiel den Wecker in Deinem Handy, oder hänge Dir einen Spickzettel an den Spiegel im Badezimmer oder an den Bildschirm. Daran zu denken ist im Alltag tatsächlich gar nicht so leicht und abends merkt man dann plötzlich, dass man kein einziges mal die Übung gemacht hat. Fünf mal am Tag solltest Du es schon schaffen. Dieses kleine Achtsamkeitstraining wird Dir helfen, mehr Ruhe in Deinen Alltag zu bekommen und immer mehr bei Dir anzukommen. 


Coachingübung: Mach' einen Check-up von Dir und Deinem Leben

Wie ist Dein momentaner Ist-Zustand? Wo stehst Du im Leben? Mache eine Bestandsaufnahme Deiner Lebensbereiche: 

  1. Freundschaft/Familie
  2. Beziehung/Sexualität
  3. Beruf/Karriere
  4. Fitness/Gesundheit
  5. Freizeit/Hobbys/Vergnügen
  6. Zuhause/räumliche Umgebung/Wohnort
  7. Wohlstand/Finanzen
  8. Liebe/Seelenfrieden/Sinn/Spiritualität

 

Freundschaft/Familie 

  • Was denkst Du über Freundschaften ganz allgemein?
  • Wie fühlst Du Dich beim Thema Freundschaften? Welche Gefühle kommen da in Dir hoch?
  • Was denkst Du über Deine Freunde?
  • Wie bist Du zu Deinen Freunden?

  • Wie sind Deine Freunde zu Dir?

  • Verbringst Du gerne Zeit mit Deinen Freunden oder fühlst Du Dich eher ihnen gegenüber verpflichtet?

  • Tut Dir der Kontakt zu Deinen Freunden gut?

  • Wenn Du keine Freunde hast, Dir aber welche wünschst: Woran könnte es liegen, dass Du keine Freunde hast?

  • Was denkst Du über Familien ganz allgemein?
  • Wie fühlst Du Dich beim Thema Familie? Welche Gefühle kommen da in Dir hoch?
  • Was denkst Du über Deine Familie?

  • Wie fühlst Du Dich bei Deiner Familie?

  • Ist Deine Familie eine glückliche Familie? Wenn nein, was unterscheidet Deine Familie von einer glücklichen Familie?

  • Wie beurteilst Du Deine Beziehung zu den einzelnen Familienmitgliedern?

  • Hättest Du gerne eine bessere Beziehung zu bestimmten Familienmitgliedern?

  • Wie ist die Kommunikation in Deiner Familie? Herrscht ein offener Austausch?

  • Gibt es Menschen in Deinem Leben, mit denen es immer wieder Probleme, Streit oder eine ungute Stimmung gibt?

 

Beziehung/Sexualität 

  • Was für Gedanken kommen Dir in den Sinn, wenn es um das Thema Beziehung und Sexualität geht?
  • Welche Gefühle kommen bei diesem Thema in Dir hoch?
  • Bist Du partnerschaftlich da angekommen, wo Du hin möchtest?

  • Gibt es Probleme in Deiner Beziehung? Wenn ja, welche?

  • Warum, glaubst Du, gibt es diese Probleme in Deiner Beziehung? Woran könnte das liegen?

  • Wie ist die Kommunikation in Deiner Beziehung?

  • Was denkst Du über Deinen Partner?
  • Wie fühlst Du Dich, wenn Du an Deinen Partner denkst?
  • Wie behandelst Du Deinen Partner?

  • Wie behandelt Dein Partner Dich?

  • Was sind Deine größten Ängste bezüglich Deiner Beziehung?

  • Kannst Du Deinem Partner zu hundert Prozent vertrauen? Wenn nein, warum nicht?

  • Wenn Du alleine bist: Bist Du gerne Single?

  • Woran könnte es liegen, dass Du keinen Partner findest?

  • Lebst Du eine erfüllte Sexualität? 

 

Beruf/Karriere 

  • Was kommen Dir für Gedanken in den Sinn, wenn es um das Thema Beruf/Karriere geht?
  • Was für Gefühle kommen bei diesem Thema in Dir hoch?
  • Bist Du beruflich da angekommen, wo Du hin möchtest?

  • Bist Du beruflich erfüllt oder hast Du Dich mit Deiner Tätigkeit arrangiert?

  • Warum übst Du genau Deinen Beruf aus?

  • Ist Dein Beruf mit Deinen inneren Werten vereinbar? 

 

Fitness/Gesundheit 

  • Was denkst Du über das Thema Fitness/Gesundheit?
  • Was für Gefühle kommen bei diesem Thema in Dir hoch?
  • Wie fühlst Du Dich körperlich? Womit fühlst Du Dich nicht wohl?

  • Was tust Du, damit Du Dich wohl fühlst?

  • Bist Du zufrieden mit Deinem Aussehen, Deiner Fitness und Deiner Gesundheit? Womit bist Du zufrieden, womit nicht?

  • Was tust Du für Deine Fitness und Deine Gesundheit?

  • Wie ernährst Du Dich?

  • Wie nimmst Du Deine Mahlzeiten zu Dir?

  • Trinkst Du genug Wasser?

  • Wie schläfst Du? Achtest Du auf genug Schlaf? Schläfst Du vielleicht sogar zu viel?

  • Wie behandelst Du Deinen Körper?

  • Welchen Lebensstil führst Du?

  • Welche 'Sünden' begehst Du täglich?

 

Freizeit/Hobbys/Vergnügen 

  • Was für Gedanken kommen Dir in den Sinn, wenn Du über Deine Freizeit, Hobbys und Dein Vergnügen nachdenkst?

  • Was für Gefühle kommen bei diesem Thema in Dir hoch?
  • Was machst Du in Deiner Freizeit?

  • Kannst Du Deine Freizeit genießen?

  • Kannst Du auch einfach mal nur die Seele baumeln lassen und nichts tun?

  • Kannst Du abschalten oder denkst Du auch in Deiner Freizeit an Arbeit? 

 

Zuhause/räumliche Umgebung/Wohnort 

  • Welche Gedanken kommen Dir in den Sinn, wenn Du über Dein Zuhause, Deinen Wohnort und die Umgebung dort nachdenkst?
  • Was für Gefühle kommen in Dir hoch, wenn Du über Dein Zuhause nachdenkst?
  • Welche Gefühle kommen in Dir hoch, wenn Du über den Ort, an dem du lebst, nachdenkst?
  • Bist Du zufrieden damit, wie und wo Du lebst? Wenn nein, womit bist Du nicht zufrieden?
  • Fühlst Du Dich Zuhause? Wenn nein, woran könnte das liegen?

  • Hast Du Dir ein Wohlfühl-Zuhause erschaffen? Wenn nein, warum nicht? 

 

Wohlstand/Finanzen 

  • Welche Gedanken kommen Dir in den Sinn, wenn es um Deine finanzielle Situation geht?
  • Was denkst Du über Geld?
  • Wie fühlst Du Dich bei diesem Thema?
  • Wie hoch ist Dein momentanes Vermögen?

  • Hast Du Schulden oder finanzielle Verpflichtungen gegenüber anderen?

  • Wie hoch sind Deine monatlichen Einnahmen? Bist Du damit zufrieden?

  • Wie hoch sind Deine monatlichen Ausgaben?

  • Wofür gibst Du Dein Geld aus?

  • Was sind Deine momentanen Einnahmequellen?

  

Liebe/Seelenfrieden/Sinn/Spiritualität

  • Was für Gedanken kommen Dir in den Sinn, wenn es um das Thema Liebe geht?
  • Was für Gedanken kommen Dir in den Sinn, wenn Du über den Sinn des Lebens und das Thema Spiritualität nachdenkst?
  • Wie fühlst Du Dich bei diesen Themen?
  • Was liebst Du an Deinem Leben?

  • Kannst Du Dich selbst annehmen und lieben, so wie Du bist?

  • Was tust Du täglich für Deinen Seelenfrieden?

  • Erkennst Du einen (höheren) Sinn in Deinem Leben? Was könnte dieser Sinn sein?

  • Wie lebst Du Deine Spiritualität?

Bitte nimm Dir Zeit und beantworte alle Fragen schriftlich.


Erinnerung als Handyhintergrund


Zusammenfassung:

  • Du kannst bewusst mit Deinen lebensbejahenden Gedanken und positiven Gefühlen das neuronale Netzwerk in Deinem Gehirn verändern.