Vergebung

 

"Alles was geschehen ist, war richtig und ein Wunsch Deiner Seele, denn Du bist hier um zu wachsen und Dich weiterzuentwickeln."

Andrea Hein

 

Wenn es Dir gelingt, Dich auf den Standpunkt zu stellen, Deine Seele habe sich dieses Leben mit all seinen Erfahrungen ausgesucht, dann gibt es eigentlich überhaupt nichts zu vergeben. Denn Deine Seele und die Seele des Menschen, der Dir vielleicht etwas angetan hat, oder dem Du etwas angetan hast, haben einen Deal ausgehandelt. Alles, was Dir geschehen ist, war vereinbart, denn Deine Seele ist hier um Erfahrungen zu machen, an denen sie wachsen kann. Und Wachstum geschieht nun einmal häufig in genau den Situationen, die uns im ersten Moment leiden lassen. Aus dieser Perspektive müssten wir den Menschen, die uns Leid verursacht haben, nicht vergeben, sondern könnten sogar dankbar dafür sein. Diese Sicht der Dinge erfordert jedoch einen gewissen Grad an Einsicht und Weisheit und unser Ego ist damit nicht unbedingt zufrieden. Wenn es Dir gelingt, diese Vorstellung der Realität als absolut wahr anzunehmen, kannst Du im Prinzip gleich mit dem nächsten Kapitel weitermachen.

 

Unser Verstand zweifelt jedoch vielleicht (unbewusst) daran, dass diese Vorstellung der Realität wahr ist, denn sie kann im Prinzip nicht bewiesen werden. Um den inneren Kritiker in Dir zu befriedigen, möchte ich deshalb gerne tiefer auf das Thema Vergebung eingehen. 

 

"Bevor die Sonne untergeht, vergib."

Hawaiianisches Sprichwort

 

Schuld ist immer etwas, was man sich selbst antut. Genauso wie Scham. Wir fühlen uns schuldig, oder wir schämen uns, obwohl uns niemand dazu zwingt.

 

Es gibt Situationen in unserem Leben, da haben uns andere Menschen so sehr verletzt, dass wir diese Verletzung über eine sehr lange Zeit, manchmal über viele Jahre oder sogar für immer, mit uns herum tragen.

 

Und es gibt Situationen, da haben wir andere Menschen so schlimm verletzt, dass wir uns selbst nicht verzeihen können und deshalb ewig in dieser Schuld leben. Die Schuld sitzt manchmal so tief, dass wir sogar (unbewusst) denken, es nicht zu verdienen, glücklich zu sein. 

 

Letzten Endes ist es egal, ob Du Opfer oder Täter bist. Solange Du den anderen und Dir selbst nicht verzeihen kannst, wirst Du nie ganz frei sein. Es ist unmöglich Dir ein erfülltes und glückliches Leben zu erschaffen, wenn Du gleichzeitig noch irgendwelche Schuldzuweisungen an Dich selbst oder andere Menschen hast. 

 

Wenn Du jemanden nicht vergibst, dann bestrafst Du Dich damit eigentlich selbst. Jemanden die Schuld für etwas zu geben und nicht bereit sein zu vergeben, ist, als würdest Du selbst Gift trinken, in der Hoffnung, dass der andere daran stirbt. So lange Du an einen anderen Menschen einen Vorwurf hast, übergibst Du ihm die Verantwortung dafür, wie es Dir geht. Du gibst sozusagen die Kontrolle über Deinen eigenen Zustand an eine andere Person ab. 

 

Auch ist niemanden damit gedient, an Deiner Schuld gegenüber einem anderen festzuhalten. Niemand hat davon einen Vorteil. Auch derjenige nicht, dem Du irgendwann einmal irgendetwas angetan hast. Schuld ist eine Energie, die Dich klein hält, Dir ein negatives Gefühl und eine Schwere in Deinem Leben gibt. Schuld hält Dich immer in der Vergangenheit fest. Solange Du Dir selbst nicht verzeihen kannst und an Deiner Schuld festhältst, kannst Du Dir keinen glücklichen Seinszustand erschaffen. 

 

Mit Vergebung übernimmst Du wieder selbst die vollkommene Verantwortung über Deinen Zustand. Wenn Du Verantwortung übernimmst, kannst Du Dich verändern und es in Zukunft anders machen. Mit Verantwortung kannst Du etwas aus der Erfahrung lernen. Wir alle machen Fehler. Es geht darum, an den Erfahrungen, die wir machen, zu wachsen und uns zu entwickeln.

  

Mache Dich also in diesem Kapitel frei von alten Geschichten. Verzeihe allen Menschen, die Dir weh getan haben. Verzeihe allen Menschen, mit denen Du, aus welchen Gründen auch immer, noch nicht fertig bist. Verzeihe Dir selbst. Schließe Frieden mit Dir und der Welt. Mache einen Neustart. Beim Verzeihen geht es nicht darum gutzuheißen, was auch immer Dir angetan wurde, oder was auch immer Du jemanden angetan hast. Bei dem Prozess der Vergebung geht es weniger um die andere Person. Es geht vielmehr um Dich. Es geht darum, das alte Leid loszulassen, Dich zu befreien und ab sofort die volle Verantwortung für Deinen Zustand und Deine Handlungen zu übernehmen. 

 

Es kann gut sein, dass sich alles in Dir dagegen sträubt jemanden zu vergeben, der Dir etwas Schreckliches angetan hat und Du Dir denkst, "Dieser Mensch hat es aber nicht verdient, ihm zu vergeben." Ja, dieser Mensch hat es vielleicht wirklich nicht verdient, ihm zu vergeben. Aber DU hast es verdient!


Warum ist es so schwer, die Schuld loszulassen?

Warum es so schwer sein kann, sich aus dem Kreislauf der Schuld zu befreien ist, dass sich das Gefühl der Schuld gut anfühlen kann. Sich für etwas schuldig zu fühlen und in Selbstmitleid zu versumpfen ist ein Zustand, der im ersten Moment etwas Befriedigendes haben kann.

 

Wir haben als Kind zum Beispiel etwas gegen den Willen unserer Eltern getan und wurden dafür bestraft. Nachdem wir uns für unsere Tat schuldig gefühlt haben und brav waren, haben uns unsere Eltern verziehen und sich mit uns versöhnt. Sie haben uns wieder lieb gehabt. Dies weckte wundervolle Gefühle der Zugehörigkeit, der Liebe und Geborgenheit in uns. Doch diese Gefühle konnten erst entstehen, weil vorher das Gefühl der Schuld da war. Weil wir uns sozusagen zuerst einmal schuldig gefühlt haben, wurden wir mit wundervollen Gefühlen belohnt.

 

Diese Verknüpfung kann unterbewusst dazu führen, dass wir uns gerne schuldig machen und fühlen.


Coachingübung 1: Vergebung

  • Gegenüber welchen Menschen hast Du noch Vorwürfe? Welchen Menschen hast Du noch nicht vollständig vergeben?
  • Was genau wirfst Du diesen Menschen noch vor? Was hast Du noch nicht vergeben? Welche Verletzungen hast Du erlebt? Was ist Dir passiert?
  • Welche Vorwürfe hast Du noch gegen Dich selbst? Was hast Du Dir selbst noch nicht verziehen?
  • Welchen Vorteil hast Du noch, wenn Du an den alten Vorwürfen festhältst?
  • Welche Erkenntnisse kannst Du in vergangenen schlimmen Situation finden, wenn Du die Einstellung einnimmst, dass alle Erfahrungen Deiner Entwicklung und Deinem Wachstum dienen?

  • Was wollte Deine Seele aus diesen Erfahrungen lernen?
  • Was macht es mit Dir, wenn Du an den alten Vorwüfen festhältst?
  • Was wäre in Deinem Leben anders, wenn Du alle alten Schuldzuweisungen und Vorwürfe jetzt loslässt? Was wird dadurch möglich?

Coachingübung 2: Schreibe Deinen Eltern einen Brief

Schreibe einen Brief an Deine Mutter und einen separaten an Deinen Vater. (Auch wenn diese bereits verstorben sind.)

 

Achte bei der Formulierung darauf, dass Du Vorwürfe und Beschuldigungen vermeidest und drücke stattdessen Deine Bedürfnisse aus. Erzähle wie Du Dich fühlst, was Du vermisst, was Du Dir wünschst, was Du ihnen verzeihst, etc.

 

Du brauchst die Briefe nicht Deinen Eltern zu übergeben. Diese Briefe sind für Dich. Wenn Du die Briefe tatsächlich Deinen Eltern geben möchtest, dann kannst Du dies natürlich gerne tun.

 

Tipp:

Du kannst diese Übung auch mit anderen Personen machen. Ein schönes Ritual ist es auch, den Brief anschließend zu verbrennen.


Coachingübung 3: Schreibe Deine Geschichte neu.

Nimm Dir noch einmal Deine Zeitskala zur Hand. Hier hast Du einen Überblick all Deiner schönsten und schrecklichsten Erlebnisse und Erfahrungen Deines bisherigen Lebens. 

 

Stelle Dich auf den Standpunkt, dass Du Dir genau Dein Leben, wie es verlaufen ist, ausgesucht hast. Du wolltest genau dieses Leben, Du wolltest Deine Eltern, Deine Geschwister und all die Erfahrungen, die Du gemacht hast. 

 

Natürlich wolltest Du es nicht in dem Sinne, dass es eine tolle Erfahrung war, dass Du zum Beispiel als Kind geschlagen worden bist. Sondern in dem Sinne, weil Du aufgrund dieser Erfahrung heute wählen kannst, wer Du selbst sein möchtest. Unser größtes Potenzial liegt meistens in unserer größten Krise. Genau dafür hast Du erlebt, was Du erlebt hast. Dein Potenzial liegt genau in dem, was Du daraus gelernt und erfahren hast. Manchmal müssen wir selbst eine bestimmte Erfahrung machen, damit wir uns in andere Menschen hineinfühlen und ihnen dienen können. 

 

Sieh Dir Deine positiven und negativen Erfahrungen und Erlebnisse Deines Lebens an und beantworte die folgenden Fragen schriftlich: 

  • Wenn Du auf Dein Leben blickst, welche Weisheit kannst Du darin erkennen?

  • Wozu könnten Dir die einzelnen Erfahrungen gedient haben?

  • Welche Fähigkeiten hast Du durch Deine Erfahrungen erworben?

  • Welche Kenntnisse und Ressourcen hast Du auf Deinem Lebensweg gewonnen?

  • Wie bist Du dadurch als Mensch gewachsen?


Coachingübung 4: Deine Ressourcen

Schreibe Dir noch einmal all Deine positiven Eigenschaften, Talente, Fähigkeiten und Kenntnisse, die Du im Laufe Deines Leben gewonnen hast, auf ein extra schönes Blatt Papier auf. Gerne kannst Du diese Vorlage dafür benutzen.

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Ritual 1: Ho'oponopono – die Macht der Vergebung

Ho'oponopono ist ein wundervolles traditionelles Ritual der Hawaiianer zur Vergebung.

 

Ho'oponopono bedeutet in etwa: in Ordnung bringen, wieder ins Lot bringen und wird als eine geistige Reinigung definiert, in der zwischenmenschliche Beziehungen durch Gebet, Aussprache, Schuldbekenntnis, Reue und gegenseitiger Vergebung wiederhergestellt werden. 

 

Mit Ho'oponopono entscheidet man sich dafür, in einem Konflikt die Verantwortung zu übernehmen, nicht mehr auf sein Recht zu pochen, sondern diesen ewigen Kreislauf von Drama, Angst, Verzweiflung, Schuld, Wut und Druck aufzulösen.

 

Das Vergebungsritual besteht aus vier Aussagen, die, wenn sie wie ein Mantra hintereinander intensiv und entschlossen über einen gewissen Zeitraum gesprochen werden, eine unglaubliche Energie entfalten können. 

 

Die vier Sätze lauten:

 

Es tut mir leid.

Bitte verzeihe mir. (Ich verzeihe mir. Ich verzeihe Dir.)

Ich liebe Dich. (Ich liebe mich.)

Danke.

  

Die Sätze in Klammern sind eine verstärkende Ergänzung.

  

Es tut mir leid. Damit tut es Dir leid, jemanden verletzt zu haben oder von jemanden verletzt worden zu sein und Teil des Problems zu sein.

  

Bitte verzeihe mir. (Ich verzeihe mir, ich verzeihe Dir.) Damit bittest Du das Göttliche, oder die universelle Kraft, wie auch immer Du es nennen möchtest, um Verzeihung, dass Du Teil des Problems bist. Damit verzeihst Du Dir selbst, dem Beteiligten und dem Problem. 

 

Ich liebe Dich. (Ich liebe mich.) Damit liebst Du das Göttliche in Dir und dem Beteiligten. Und Du liebst das Problem, an dem Du wachsen kannst.

  

Danke. Damit bedankst Du Dich für die Erfahrung und das Wunder, das nun geschieht.

 

Ich nutze dieses absolut wirkungsvolle Ritual, wenn ich z.B. mit meinem Mann aus irgendeinen Grund, Streit habe. Statt schmollend in der Ecke zu sitzen, nehme ich eine Meditationshaltung ein und sage das Mantra. Wenn ich zu aufgewühlt bin, um mich hinzusetzen, gehe ich einfach eine Runde spazieren und sage während des Gehens das Mantra. Danach gelingt es mir jedes mal, einfach auf meinen Mann zuzugehen, auch, wenn meiner Meinung nach er für den Streit verantwortlich ist ;) Das zählt überhaupt nicht mehr. Denn ich weiß, ich kann jetzt stunden- oder tagelang in dieser Situation verharren und warten, bis er auf mich zu kommt. Was absolute Lebenszeitverschwendung wäre. Oder ich kann mich gleich für den Frieden und die Liebe entscheiden und einfach selbst auf ihn zugehen. So einfach ist das.

  

Du hast die Wahl! Für Veränderung in Deinem Leben gibt es nur eine Möglichkeit. Dich selbst. Für Krieg braucht es zwei Menschen, für Frieden nur einen.


Ritual 2: Gib Deine Bindungen auf

Dies ist eine wunderbare Methode, die Dir hilft, Deine in Abhängigkeit gelebten Bindungen zu Menschen, die Du gedanklich nicht loslassen kannst, aufzugeben.

  

Nimm Dir ein Blatt Papier und einen Stift und schreibe Dir die Namen aller Menschen auf, mit denen Du Dich auf irgendeine Art und Weise, sei es im Guten, oder im Schlechten, verbunden fühlst. Also z.B. Deine Familie, Deine guten Freunde, Arbeitskollegen, oder auch Mentoren, einfach alle Menschen, die irgendeine Bedeutung für Dich haben. Schreibe einen Namen pro Zeile mit ein bisschen Abstand zum nächsten Namen. 

 

Du wirst merken, dass diese Liste nicht auf die Schnelle erstellt werden kann. Mache Deine Liste deshalb in aller Ruhe. Gerne auch über mehrere Tage. Mit dieser Liste sollst Du nicht all die Menschen aufgeben oder gar verlassen. Du sollst lediglich Deine Bindung zu ihnen anerkennen und Deine Abhängigkeit zu ihnen loslassen. Denn erst in Freiheit lässt es sich wahrhaft freudvoll leben.

  

Wenn Du mit Deiner Liste fertig bist, schneide sie in Streifen (für jeden Namen einen Streifen) und schaue Dir jeden Namen noch einmal an und denke darüber nach, was genau Dich an diese Person bindet und weshalb Du von dieser Person abhängig bist. Auch dies kann mehrere Tage dauern.

 

Wenn Du damit fertig bist, setze Dich feierlich an einen Ort, an dem Du Ruhe hast. Vielleicht hast Du eine Feuerschale? Nimm Dir einen Streifen, schließe Deine Augen und denke intensiv an diese Person. Sieh vor Deinem inneren Auge, wie Du mit der Person mit einem leuchtenden Band verbunden bist und schneide dieses Band in Gedanken mit einer Schere durch. Dann sage den Satz: „Ich löse mich von Dir. Du bist frei und ich bin frei.“ Verbrenne oder zerreiße den Zettel. Mache dies in aller Ruhe mit jedem Streifen. Auch dies muss natürlich nicht an einem Tag geschehen.

  

Dieses Ritual kannst Du immer wieder einmal machen, wenn Du Dich von einer Person abhängig fühlst.

  

Du kannst diese Übung übrigens auch mit allen anderen Dingen machen, an die Du gebunden bist. Wir sind an so vieles gebunden, ohne dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Denke mal an alles Materielle, alle Werte, alle Genüsse, die Regeln der Gesellschaft, Deine Glaubenssätze, die Religionen. Die Liste ist endlos lang. 


Aufgabe: Gedankenexperiment

Die letzten Wochen bist Du dabei, Dich immer genauer zu beobachten. Du beobachtest Deine Gedanken, Gefühle und Handlungen.

 

Wer oder was beobachtet da eigentlich die ganze Zeit? Was bleibt von Dir übrig, wenn Du die Gedanken und Gefühle weglässt? Kannst Du Dein wahres, reines Ich bereits erkennen?


Inspiration

Podcastfolge: Die Schuld am Leben zu sein

Emotion Talk für die Vergebung der Mutter und des Vaters



 

Glücksbotschaft

 

"Vergeben tust Du in erster Linie für Dich selbst."

 

Es ist so schön, dass Du da bist! Ich weiß, diese Zeit ist intensiv und gerade das Thema Vergebung kann unser Ego ganz schön fordern. Doch ich bitte Dich von Herzen, bleib dran! Ich verspreche Dir, es lohnt sich.

 

Wenn wir anfangen uns selbst zu vergeben, können wir auch allen anderen Menschen leichter mit Mitgefühl und Liebe begegnen. 

 

Solange wir noch an unserer Schuld und den Vorwürfen gegenüber anderen festhalten, können wir uns nicht das Leben erschaffen, dass wir gerne leben möchten. Zeit den ganzen alten Ballast loszulassen und frei zu werden.

 

Deine Andrea


Affirmation als Handyhintergrund


Zusammenfassung:

  • Alte Verletzungen und Vorwürfe, an denen wir festhalten, versperren uns den Weg in ein glückliches und erfülltes Leben.
  • Nicht zu vergeben, hält uns immer in der Vergangenheit fest.
  • Jede Veränderung beginnt bei einem selbst.