Beziehung

 

"Einer der grundlegenden Faktoren bei der Entwicklung psychischer Störungen, ist der Mangel an Zuneigung, der Mangel an Mitgefühl in Familien oder in der Gesellschaft.“ 

Dalai Lama

 

Meine Beziehungslosigkeit war mit ein Grund, warum ich in die schwere depressive Episode geschlittert bin. Aufgrund zahlreicher Fehlschläge entschied ich mich irgendwann dazu, alleine durch mein weiteres Leben zu gehen. Doch richtig glücklich war ich damit nie. Wir Menschen sind nun einmal „Herdentiere“ und es gibt auch nicht umsonst Mann und Frau. Der Mensch ist nicht dafür gemacht, alleine zu sein und braucht die Gemeinschaft, um überhaupt überleben zu können und Männer und Frauen brauchen sich, um neues Leben entstehen lassen zu können. Nur in Beziehung zu anderen Menschen, können wir unser volles Potenzial entfalten. Am meisten lernt man über sich selbst in der Beziehung zu anderen Menschen und vor allem auch in einer partnerschaftlichen Beziehung, weil man das Gegenüber braucht, um sich selbst zu erkennen. In jeder Begegnung kannst Du etwas über Dich selbst lernen. Gerade in Konfliktsituationen liegt das größte Wachstum, denn hier zeigen sich Deine verdrängten Schattenseiten. Wir projizieren genau das auf andere, was wir an uns selbst nicht leiden können. Wenn Du Dir das bewusst machst und lernst, Dich selbst und den anderen neugierig zu beobachten, dann hast Du gerade in den schwierigen zwischenmenschlichen Begegnungen die Chance, immer tiefer in Deine eigene Seele einzutauchen. 

 

"Alles was uns an anderen missfällt,

kann uns zu besserer Selbsterkenntnis führen."

Carl-Gustav Jung

 

Früher hat bei mir Beziehung überhaupt nicht funktioniert. Disharmonisch und unbeständig jagte ein Drama das Nächste. In meinen Partnerschaften gab es sehr viel Streit, Machtkämpfe und Leid. 

 

Heute ist das Gegenteil der Fall. Mein Mann und ich führen seit einigen Jahren eine glückliche und erfüllte Beziehung. Und das nicht, weil ich den einen „Richtigen“ gefunden habe, ich die eine „Richtige“ bin und alles immer nur Friede, Freude, Eierkuchen ist. Sondern, weil ich heute weiß, wie Beziehung funktioniert.

 

Meistens begründen wir das Ende einer Beziehung mit der Aussage: „Das war halt nicht der Richtige.“ oder „Wir passen halt einfach nicht zusammen“. Doch meiner Meinung nach liegt eine Trennung zum großen Teil immer daran, dass wir eine Vorstellung von Beziehung haben, die unrealistisch und sogar ungesund ist. 

 

Bevor ich mit meiner persönlichen und spirituellen Weiterentwicklung angefangen habe, hatte ich die Vorstellung, dass ich mit meinem Partner die absolute Seelenverschmelzung erleben wollte. Ich dachte, nur wenn ich mit meinem Partner zu einer Einheit verschmelze, dann ist es auch Liebe. Es gab nur: „Er liebt mich unendlich oder er hasst mich.“ Dazwischen gab es nichts. Ein kleiner Streit und ich zweifelte an der ganzen Beziehung. Doch so funktioniert Beziehung nicht.

"Die Liebe kommt nicht über einen anderen Menschen zu Dir. Die Liebe ist in Dir, hinter der Angst und den Verletzungen. Statt darauf zu hoffen, dass Dich irgendwann einmal ein Mensch liebt, solltest Du in Dir selbst die Liebe entdecken und in die Welt bringen."

Andrea Hein


Beziehungstipps

Die Kommunikation

Wie wir miteinander umgehen und sprechen, ist maßgeblich für die Harmonie in unseren Beziehungen. Wie oft sind Missverständnisse in der Kommunikation der Grund für Streit und sogar Trennung.

 

Statistisch gesehen redet ein Paar etwa 15 Minuten täglich miteinander. Hierbei geht es meistens um Alltägliches, wie zum Beispiel, was es zum Essen gibt, wer einkaufen geht, etc. Über das, was uns wirklich bewegt, wie es uns wirklich geht, wie es unserer Seele geht, wird leider nur selten oder überhaupt nicht gesprochen. Weiß Dein Partner, wie es wirklich in Dir aussieht? Genau dies zu wissen, ist es aber, was mehr Tiefe in die Beziehung bringt und euch näher zueinander führt. Wenn wir erzählen, was in uns vorgeht, worüber wir uns Gedanken machen, dann kommen uns oft beim Reden tolle Erkenntnisse. Alleine durch die Aussprache, werden uns die Dinge plötzlich klarer. Das heißt, wenn wir uns gegenseitig öffnen, erfahre ich einerseits mehr über meinen Partner und andererseits werde ich mir auch klarer über mich selbst. 

 

Hinzu kommt, dass zwei Partner oft unterschiedliche Sprachen sprechen. Damit meine ich nicht verschiedene Muttersprachen, sondern die Art, wie wir uns ausdrücken. Kennst Du es, dass Du etwas sagst und Dein Partner dies vollkommen anders versteht, als Du es eigentlich gemeint hast? Die meisten Missverständnisse entstehen durch Verständigungsprobleme. Wenn wir üben würden, unsere Wünsche klar und deutlich auszudrücken, gäbe es oft überhaupt keine Schwierigkeiten. Teile also Deine Bedürfnisse klar mit und achte hierbei darauf, wie Du Dich ausdrückst. Benutze klare und eindeutige Worte und rede nicht undeutlich drum herum, wenn Du etwas möchtest oder etwas nicht möchtest.

 

Vermeide es, Deinem Partner Vorwürfe zu machen oder etwas von ihm zu fordern, wie z.B. dass Dein Partner dies oder das falsch macht oder dies oder das tun muss, sondern bilde hier einen Satz, der auf Dich selbst bezogen ist. Sage also nicht: „Warum bringst Du nie den Müll raus?" oder "Kannst Du bitte mal den Müll raus bringen?“ sondern lieber: „Ich fände es schön, wenn Du den Müll raus bringen würdest.“ Dann klingt das nicht wie ein Vorwurf oder Befehl. Den Satz auf sich selbst zu beziehen funktioniert bei vielen Dingen prima. Wenn Du zum Beispiel die schmutzigen Socken Deines Partners auf dem Boden liegen siehst und Dich das nervt, dann sage nicht: „Räum gefälligst Deine dreckigen Socken in die Wäsche!“ Sondern sage stattdessen lieber: „Weißt Du was mich total freuen würde? Wenn Du Deine Socken direkt in den Wäschekorb werfen würdest.“ Wenn Du Humor hast, kannst Du auch einfach eine Socke nehmen und sie vor Deinem Schatz unter Deine gerümpfte Nase ziehen und ihn dann liebevoll damit bewerfen. Sei kreativ! Humor macht vieles leichter. Sprich die Dinge an, die Dich stören und achte dabei auf den richtigen Ton. Und wenn sich Dein Partner einmal im Ton vergreift, dann halte zuerst einmal inne und atme, hole Dich damit zurück zu Dir und beruhige Dich, bevor Du gleich zurück polterst.

 

Gehe nicht auf Angriff, wenn Du von anderen kritisiert wirst. Nehme jede Kritik mit Neugierde an und werde Dir darüber bewusst, dass Kritik mehr über den anderen aussagt, als über Dich selbst. Wenn Du Dir das verinnerlichst, dann kannst Du Kritik in Zukunft als etwas betrachten, dass Du wie ein Detektiv aufgespürt hast. Im Sinne von: 'Hey, Moment mal! Das ist ja spannend. Was sagt das jetzt eigentlich wirklich über mich selbst und was über den anderen aus?'

 

Andersherum, wenn Du jemanden kritisieren möchtest, solltest Du dem anderen natürlich auch keine Vorwürfe machen, sondern auch hier lernen, Dich konstruktiv auszudrücken.

 

Diese Sätze helfen mir, bei zwischenmenschlichen Konflikten gelassener zu sein: 

 

„Will ich Recht haben, oder will ich glücklich sein?“  (Marshall B. Rosenberg)

"Frieden beginnt bei mir." (Dalai Lama)

 

Früher war meine falsche Ausdrucksweise oft mit schuld daran, dass eigentlich kleine Streitigkeiten eskaliert sind. Das Buch Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg hat mir hier extrem weiter geholfen.  

 

Hier sind zwei Beispiele, wie Du gewaltfrei kommunizieren kannst: 

 

Wenn Dich jemand unfair kritisiert, oder Du etwas als unfaire Kritik aufnimmt, dann gehe am besten folgendermaßen vor:

  1. Wiederhole den Vorwurf: „Du hast gerade gesagt, dass....“
  2. Sage, was der Vorwurf für ein Gefühl in Dir ausgelöst hat. Z.B. „Das hat mich verletzt.“

  3. Teile mit, wie Du es zukünftig stattdessen gerne hören würdest.

  4. Begründe evtl. noch, warum Du das möchtest.

Wenn Du jemanden auf etwas hinweisen möchtest, dann gehe am besten folgendermaßen vor:  
  1. Nehme zuerst einmal Dein eigenes Gefühl war.

  2. Teile Dein Gefühl mit.

  3. Äußere Dein Bedürfnis.

  4. Formuliere eine Bitte.

 

Werte und Bedürfnisse

Zu richtig großen Beziehungsproblemen kommt es, wenn die persönlichen Bedürfnisse in einer Beziehung nicht geklärt sind.

  • Was bedeutet für Dich Beziehung?
  • Welche Bedürfnisse hast Du in einer Beziehung?
  • Was sind Deine wichtigsten Werte im Miteinander? 
Werde Dir klar darüber, was Dir in einer Partnerschaft besonders wichtig ist und teile dies Deinem Partner von Anfang an mit. Nur wenn Dein Partner Deine Bedürfnisse kennt, kann er sich auch darauf einstellen. Bereits nach dem ersten Treffen mit meinem Mann, war zum Beispiel die Kinderfrage zwischen uns geklärt, wir wussten dass bei uns beiden die Beziehung an erster Stelle steht und dass Treue einfach dazugehört. Wenn Du zum Beispiel als Frau mit Ende 30 einen Mann kennenlernst und gerne noch Kinder haben möchtest, Dir der Mann aber mitteilt, dass er das nicht möchte, dann kannst Du Dich entscheiden. Entweder Du entscheidest Dich doch gegen Kinder, und zwar zu hundert Prozent, oder es hat keinen Sinn sich weiterhin mit diesem Mann zu treffen. Gedanken wie: 'Wenn er mich später richtig liebt, dann ändert er seine Meinung schon noch.' sind absoluter Quatsch und verursachen letzten Endes nur sehr viel Kummer und Schmerz. Werde Dir also ganz klar darüber, was Du in einer Beziehung willst und kommuniziere das offen und ehrlich. Bei vielen Bedürfnissen kann man natürlich auch Kompromisse finden. Doch bei den tiefsten und wichtigsten, sollte man schon zusammenpassen. 

 

Was ist, wenn Du erst später in der Beziehung merkst, was Dir sehr wichtig ist und Deine Wünsche mit den Bedürfnissen Deines Partners im Widerspruch stehen? Dann heißt es, Kompromisse zu finden. In Beziehungen haben wir unser größtes Wachstumspotenzial. Also versuche auch das positiv und als eine Möglichkeit zu sehen, Dich hier weiterzuentwickeln.

  • Was kannst Du daraus lernen?

Nutze die Bedürfnisse Deines Partners, um Dich weiter zu entwickeln und um mehr Verständnis für Deinen Partner zu bekommen. Ihr seid unterschiedlich und dürft das auch sein. Macht eure einzelnen Probleme zu einem gemeinsamen Problem. Wenn einer von euch zum Beispiel Verlustangst hat, dann überlegt euch gemeinsam, was ihr dagegen tun könnt.

 

Das Nähe-Distanz-Problem

Das nächste, schwerwiegende Problem in Beziehungen ist meiner Meinung nach das Nähe-Distanz-Thema. Wenn Du Dich nicht voll und ganz auf Deinen Beziehungspartner einlassen kannst, dann sind Probleme vorprogrammiert. Lasse Dich also ganz, ohne Sicherheitsabstand, mit allen Konsequenzen und mit allen Risiken, auf die Beziehung ein. Auch, wenn Du Angst vor einer tiefen Bindung oder vor einer Abhängigkeit hast, oder vielleicht einmal sehr verletzt wurdest, entscheide Dich zu hundert Prozent für Deinen Partner. Wenn Du das Gefühl hast, Dein Partner hat ein Nähe-Distanz-Problem, und an Dir würde es ja nicht liegen, dann stimmt das so nicht ganz. Ein Nähe-Distanz-Problem hat immer etwas mit beiden Partnern zu tun. Es halten immer beide die Distanz aufrecht. Dies geschieht bewusst oder unterbewusst. Wenn Du dieses Problem immer wieder in Deinen Beziehungen hast, dann stelle Dir die Frage, wieso das so ist. 

  • Was ist in Deiner Vergangenheit passiert?
  • Weshalb hast Du Angst, Dein Herz voll und ganz aufzumachen?
  • Vor was willst Du Dich schützen?
  • Hast Du vielleicht sehr unter der Scheidung Deiner Eltern gelitten, oder bist Du selbst einmal sehr verletzt worden?
  • Hast Du vielleicht in Dir die Einstellung, dass Du nicht beziehungsfähig bist, oder dass Du alleine noch am Besten dran bist?
Erkenne Deine heutigen Muster und Probleme mit Nähe und/oder Distanz als ein altes Leid, dass seinen Ursprung in der Vergangenheit hat. Dein Partner löst mit seinem Verhalten nur die alten Emotionen in Dir aus und gibt Dir damit die Möglichkeit den alten Schmerz endlich loszulassen und Dich zu heilen.
Sich voll und ganz auf seinen Partner einzulassen erfordert Mut, denn ein offenes Herz ist erst einmal verletzlich. Wenn Du Dich voll und ganz auf Deinen Partner einlassen möchtest, dann musst Du auch bereit sein, eventuell verletzt zu werden. Das ist der Preis für echte Nähe, Tiefe und Liebe. Doch diesen Preis bezahle ich gerne, denn ich persönlich möchte echte Nähe, Tiefe und Liebe in meiner Beziehung erfahren. Alles andere ist für mich nur ein fauler Kompromiss.
Je mehr Du an Deiner Selbstliebe arbeitest und Dich persönlich und spirituell weiterentwickelst, desto weniger wirst Du Dich verletzt fühlen. 

 

Vergangene Beziehungen

Räume mit Deiner Vergangenheit auf. Jede Deiner Beziehungen hatte seinen Sinn. Auch wenn Dir das nicht so vorkommt. Schließe Deine alten Beziehungen in Frieden ab. Wenn Du tief in Dir noch an einer alten Liebe festhältst, dann stehst Du Dir selbst im Weg, Dich voll und ganz auf einen neuen Partner einzulassen.

  

Zwei gemeinsame Wege

Akzeptiere, dass eine Beziehung nicht nur aus einem gemeinsamen Weg besteht. Jeder Beziehungspartner hat auch noch seinen eigenen Weg und sollte diesen auch gehen dürfen. Ihr geht jeweils euren eigenen Weg, dann trefft ihr euch wieder und geht ein Stück gemeinsam, dann geht jeder wieder ein Stück des Weges alleine. Das wechselt sich ständig ab und das ist auch gut so. Findet Kompromisse. Sich selbst für eine Beziehung aufzugeben ist nicht akzeptabel. Jeder Mensch hat in sich einerseits das Bedürfnis von anderen Menschen anerkannt und angenommen zu werden und dazuzugehören. Andererseits haben wir aber auch alle ein tiefes Bedürfnis nach Selbständigkeit und Autonomie. Wir möchten uns von anderen unterscheiden, unser Ding machen und Selbsterfüllung erfahren. Die Kunst Zufriedenheit und Erfüllung in einer Beziehung zu erleben, ist eine Balance zwischen der Zusammengehörigkeit und der Selbständigkeit herzustellen.

 

Dein Partner ist Dein Spiegel.

Hast Du Dich schon einmal gefragt, warum Du eigentlich immer den „selben Typ“ als Partner anziehst? Unser Partner ist eine Projektion unseres Innenlebens und vor allem auch unserer verdrängten Schattenanteile. Wir projektieren das, was wir empfinden, auf den anderen und machen ihn dafür verantwortlich. Wenn Dich etwas an Deinem Partner extrem nervt, dann frage Dich, was das mit Dir selbst zu tun haben könnte. Schaue Dir gerade die Themen an, die Dich ganz besonders aufwühlen und die, für die Du Deinen Partner besonders ablehnst. Dann überlege, was das mit Dir zu tun haben könnte. Ist früher vielleicht irgendetwas passiert, was dem gleich kommt? Vielleicht hältst Du es nicht aus, wenn Dein Partner etwas zu laut wird, weil Deine Eltern früher laut waren und Dich das damals schon gestört hat. Gerade die Dinge, die Dich sehr beschäftigen und mit denen Du immer wieder konfrontiert wirst, haben in der Regel immer etwas mit Dir selbst zu tun. 

 

Beziehung ist für Wachstum da. Beziehung ist nicht dafür da, dass Deine Partnerin oder Dein Partner Dich glücklich machen muss, oder Du ihn oder sie glücklich machen musst. In Beziehung sein, heißt, auf Augenhöhe zu sein, sich gegenseitig zu respektieren, zu unterstützen und gemeinsam zu wachsen und nicht gegeneinander zu arbeiten. Wenn man sich voller Vertrauen, verbindlich und verlässlich auf eine Beziehung einlässt, dann stehen die Chancen gut, gemeinsam glücklich zu sein. 

 

Beziehung engt nicht ein, Beziehung macht frei.

 

Du hast selbst die Verantwortung etwas zu verändern. Indem Du Dich veränderst, verändern sich auch Deine Beziehungen zu allen Menschen. Ist euer Beziehung festgefahren oder eingeschlafen, dann stelle Dir Fragen wie: 

  • Wo könnte ich neue Impulse geben?
  • Wie könnte ich meinen Partner mit neuen Augen sehen?
Akzeptiere Deinen Partner in seiner Andersartigkeit.

 

Alles was in der Beziehung passiert, hat immer mit beiden Partnern zu tun. Sogar, wenn es um Betrug geht. Betrug ist verletzend und absolut nicht akzeptabel. Doch was tun, wenn es passiert? Viele Menschen werden regelrecht traumatisiert, wenn sie betrogen wurden und tun sich schwer, neues Vertrauen aufzubauen. Auch in späteren Beziehungen, schwingt der Betrug unterschwellig oft immer noch mit und der Betrogene kann sich auf eine neue Beziehung kaum noch zu hundert Prozent einlassen. Wenn Du also schon einmal betrogen worden bist, dann stelle Dir auch hier Fragen wie: 

  • Was hatte das mit Dir zu tun?
  • Vielleicht hattest Du Dich selbst schon innerlich von dieser Beziehung zurückgezogen?
  • Vielleicht hast Du selbst ein Auge auf jemand anderen geworfen?
  • Vielleicht hast Du Deinen Partner schon immer verdächtigt und ausspioniert, obwohl noch gar nichts gewesen ist und der Betrug war dann so etwas wie eine Bestätigung in dem Sinne 'Ich habe es ja schon immer gewusst!' Sei hier ganz ehrlich mit Dir selbst.

Bei jedem Streit geht es immer um Recht haben.

Für eine harmonische und glückliche Beziehung, will auch das Streiten gelernt sein. Tagelanges Anschweigen oder wochenlanges Drama, fördern bestimmt nicht das zufriedene Zusammenleben. Ganz im Gegenteil, es macht sehr viel kaputt. Verzichte auf alle Dramen dieser Art, denn damit tust Du euch nichts Gutes. Für Krieg braucht man zwei Menschen, für Frieden nur einen. Willst Du Recht haben, oder glücklich sein? Springe öfter mal über Deinen Schatten, wenn Du einen Partner hast, der das noch nicht hinbekommt. Hier hilft Dir das Vergebungsritual Ho'oponopono, dass ich im Kapitel Vergebung schon angesprochen habe. Du hast selbst oft die Wahl, wie lange sich euer Streit hinzieht. Das heißt nicht, dass Du untertänig sein oder Dir alles gefallen lassen sollst. Jemanden hinterherzulaufen bringt auf die Dauer natürlich nichts, wenn Du Dich dadurch wertlos und ungeliebt fühlst. Wenn Du Dich dadurch aber liebenswert findest, was spricht dann dagegen, auf den anderen zuzugehen? Ganz wichtig ist, dass Du Dich mit Deinen Handlungen in Deiner Selbstliebe und Deinem Selbstwertgefühl unterstützt und nicht darunter leidest.

 

Dein Partner kann Dich nur so schlecht behandeln, wie Du es zulässt. Auch hier liegt es an Dir selbst, Deine Grenzen zu ziehen und wenn es nicht mehr anders funktioniert, auch einmal eine Beziehung zu beenden, in der Du schlecht und respektlos behandelt wirst.

 

Buchtipps:


Coachingübung 1: Fragen zu Partnerschaft und Beziehung

  • Was ist Deine momentane Vorstellung von Beziehung?
  • Ist diese Vorstellung realistisch und gesund oder unrealistisch und ungesund?
  • Was denkst Du über Frauen? Was denkst Du über Männer? Welche negativen Überzeugungen gibt es gegenüber Frauen bzw. Männern in Deinem System?
  • Was erwartest Du von Deinem Partner?
  • Was tust Du in der Beziehung, was Du eigentlich nicht tun möchtest?
  • Was hätte es für Vorteile für Dich, Deine Vorstellung von Beziehung einmal in Frage zu stellen und zu verändern?
  • Welche neue Vorstellung von Beziehung würde Dein Leben glücklicher und erfüllter machen?
  • Welche Bedürfnisse hast Du in einer Beziehung?
  • Was sind Deine wichtigsten Werte im Miteinander? 
  • Wie möchtest Du Dich in Deiner Beziehung fühlen?
  • Was kannst Du täglich dafür tun, um Dich in der Beziehung so zu fühlen, wie Du es Dir wünschst?

Bitte nimm Dir Zeit und beantworte alle Fragen schriftlich. Sehr gerne kannst Du auch Deinem Partner vorschlagen diese Fragen zu beantworten. Anschließend könntet Ihr offen und natürlich gewaltfrei  über eure Antworten sprechen.


Coachingübung 1: Frischer Wind in der Beziehung

Wenn Du den Eindruck hast, dass die Beziehung zu Deinem Partner/Deiner Partnerin eher problembehaftet, distanziert, festgefahren ist oder Dich vieles an Deinem Partner nervt und Du gerne wieder mehr Positivität, Leichtigkeit und Freude in Eure Beziehung bringen möchtest, dann probiere einmal diese Übung aus.

 

Nimm Dir hierfür ein Blatt Papier und schreibe Dir einmal alles auf, was Du an Deinem Partner magst und liebst. Gehe hierbei ruhig sehr ins Detail und lass Dir mindestens 20, bessern noch 30 Punkte einfallen, die Dir an Deinem Partner gefallen und die Du an ihm oder ihr wertschätzt. Dies können Eigenschaften, Talente, Fähigkeiten, Stärken, Einstellungen, Werte und sogar Äußerlichkeiten sein.

  • Was magst und liebst Du an Deinem Partner?
  • Wofür achtets Du Deinen Partner?
  • Was gefällt Dir an Deinem Partner besonders?

Richte nun die nächsten 30 Tage Deinen Fokus nur noch auf diese positiven Dinge, die Du an Deinem Partner liebst. Wenn Du davon abkommst und Dir wieder mehr Dinge auffallen, die Du an Deinem Partner ablehnst oder die Dich nerven, schenke diesen Dingen keine große Bedeutung. Du sollst sie nicht unbedingt ignorieren, sondern vielmehr einfach nur wahrnehmen, wertfrei betrachten und annehmen, als einen Teil Deines Partners, der sein darf. 

 

Und nicht vergessen: Die Dinge, die Dich an Deinem Partner aufregen, haben vielmehr mit Dir, als mit ihm zu tun.


Übung:  Reflexion eines Streits

Setze Dich bequem hin und schließe Deine Augen. Nun gehe gedanklich zurück zu einer Streitsituation, in der Du überzeugt warst, im Recht zu sein. Erinnere Dich möglichst bis ins kleinste Detail in den Streit zurück. Du dachtest, Du hast Recht. Der andere hat Unrecht. Nun stelle Dir die Frage: Ist das wahr? Sieh den Streit aus der Perspektive eines neutralen Beobachters. Höre in Dich. Was hast Du gesagt? Was hat der andere gesagt. Ist das wahr, dass der andere Unrecht hat? Bist Du absolut sicher? Wenn Deine Antwort 'Ja' lautet, dann frage Dich: Kann ich wirklich zu hundert Prozent wissen, dass das so ist? Wie hast Du Dich in der Situation verhalten? Wie hast Du reagiert? Nimm wahr, wie Du warst. Bist Du laut geworden?

 

Manchmal ändert sich die Meinung, wenn man einmal genauer hinsieht. Vielleicht hattest Du doch nicht Recht? Wenn Du Dich immer noch ganz klar im Recht fühlst, dann stelle Dir die Frage: Will ich Recht haben, oder will ich glücklich sein?

 

Nun nimm Dich selbst und Deinen Streitpartner mit Augen des Mitgefühls war. Vertrage Dich in Gedanken, vielleicht mit einer gedanklichen Umarmung. Atme noch ein paar Mal tief ein und aus und öffne die Augen.


Inspirationen

Podcastfolge: Beziehungsfähigkeit kann man lernen

Video: Beziehungsmuster erkennen und auflösen


Podcastfolge: Anleitung für eine glückliche und erfüllte Beziehung